Was lange währt, wird gut. Nach Jahren der (Neu)Orientierung scheint es, als habe Microsoft zu sich selbst gefunden und wartet nun mit einer Vielzahl an coolen Innovationen und neuen Konzepten auf. Eines davon möchte ich Ihnen heute einmal vorstellen: Microsoft PowerApps.

Im Prinzip handelt es sich bei PowerApps um ein Baukastensystem mit dem Enterprise Kunden und Mitarbeiter eigene Business Anwendungen zusammenstellen können – und das ganz ohne die Nutzung von Programmcode. Das Konzept entspringt der Arbeitsweise sogenannter Mashups, wie sie bereits aus der Webentwicklung bekannt sind. Dabei werden einzelne Services und Module unterschiedlichster Anbieter je nach Anwendungszweck neu zusammengestellt, verbunden und mit Daten gefüttert. Das wohl bekannteste Beispiel ist die Anwendung des Kartendienstes „Google Maps“ auf Webseiten, der über eine API-Schnittstelle eingebunden und mit eigenen Daten angereichert sowie optisch angepasst werden kann.

 

PowerApps laufen über Webtechnologie plattformunabhängig auf allen Devices (Bildquelle: Microsoft)

PowerApps laufen über Webtechnologie plattformunabhängig auf allen Devices (Bildquelle: Microsoft)

 

Eines wird damit schon deutlich: Mashups brauchen das Netz. Nicht verwunderlich also, dass die fertigen PowerApps entweder Webanwendungen für den Desktop-Browser oder Mobile Apps für iOS oder Android sind. Die Tage der reinen Desktop-Applikationen sind gezählt. Für die Erstellung der Apps bietet Microsoft die Anwendung PowerApps Studio an. Neben umfangreichen Vorlagen, Templates, Masken und Formularen stehen hier vielfältige Datenverbindungen zur Verfügung, um die PowerApps zum Leben zu erwecken. Die Datenquellen können dabei fast überall liegen – als Excel-Listen bei Office 365, auf dem Webspace, beim Cloud-Anbieter, in SQL-Datenbanken und sogar im SharePoint.

 

Mit PowerApps Studio können relativ einfach und effizient Webapps aus eigenen Datenquellen erstellt werden (Bildquelle: Microsoft)

Mit PowerApps Studio können relativ einfach und effizient Webapps aus eigenen Datenquellen erstellt werden (Bildquelle: Microsoft)

 

Die Integration des Microsoft Dienstes Flow ermöglicht zudem den Aufbau unterschiedlichster Workflows zwischen einer PowerApp und populären Social Media Diensten (z.B. Twitter, Facebook oder Youtube), aber auch zu anderen Business Anwendungen des Softwaregiganten (z.B. Dynamics CRM, TFS, SharePoint, Office 365 usw.). Beispielsweise könnte in eine PowerApp ein Kundenauftrag vor Ort eingeben werden und dieses Ereignis triggert dann automatisch einen Eintrag im CRM. Daraufhin wird eine Benachrichtigung auf die PowerApp eines Kollegen gesendet und um seine Freigabe für diesen Auftrag gebeten, die umgehend erfolgt – ohne doppelte Arbeit und zusätzlichen Absprachen.

Der Abbildung bzw. Automatisierung komplexer Geschäftsprozesse sind hier kaum Grenzen gesetzt. Ob einstufig oder mehrstufig, ob mit app-übergreifenden Aktionen für die Benachrichtigungen, Datensynchronisierung, Datenorganisation oder Genehmigung – die Kombination von PowerApps und Microsoft Flow trägt einiges an Potential in sich.

Zum Schluss werden fertige Apps in der Microsoft-Cloud gehosted, was natürlich ein Problem beim Datenschutz sein kann. Als Nutzungsgrundlage müssen in Unternehmen also das Vertrauen in Microsoft als Cloud-Anbieter vorhanden sein und rechtliche Bestimmungen beim Umgang mit den Daten abgeklärt bzw. eingehalten werden.

 

Nicht nach jedem Geschmack: Das Hosting von PowerApps läuft über die PowerApps Cloud von Microsoft  (Bildquelle: Microsoft)

Nicht nach jedem Geschmack: Das Hosting von PowerApps läuft über die PowerApps Cloud von Microsoft
(Bildquelle: Microsoft)

 

Wenn man die enormen Vorteile von PowerApps betrachtet und bedenkt, dass für diese Flexibilität keine Zeile Code mehr geschrieben werden muss, kann berechtigt die Frage gestellt werden, ob Programmierer in naher Zukunft nicht vielleicht überflüssig werden und eine Entlassungswelle in der IT Branche droht.

Meiner Meinung nach ist diese Befürchtung allerdings unberechtigt. Neben der Heterogenität an Software-Ökosystemen, Einsatzzwecken und Technologien am Markt, reicht auch schon ein einfacher Blick in die Dokumentation von PowerApps um zu erkennen, dass Laien – ohne ein grundlegendes Verständnis von Mechaniken der Informationstechnologie ­– kaum in der Lage sein werden eine komplexe PowerApp zeiteffizient aufzubauen. Auch die Analyse und umfassende Planung von Geschäftsprozessen braucht einiges an Know-How. Dafür ist selbstverständlich die Entwicklung einer einfachen App insgesamt wesentlich einfacher und günstiger, solange keine Sonderwünsche oder ausgefallene Anforderungen hinzukommen. Andernfalls müssen dann doch wieder die Profis ran und dedizierte API-Schnittstellen samt Diensten schreiben.

Doch bis es soweit ist, dauert es möglichweise noch etwas. PowerApps Studio ist derzeit nur als Preview Version für Office 365 Kunden mit „Geschäfts- oder Schulkonto“ zu Testzwecken verfügbar.

 

Fazit

Insgesamt haben wir mit PowerApps eine extrem flexible und plattformunabhängige Mashup-Lösung im Anmarsch. Der Name ist in diesem Fall tatsächlich Programm. Abstriche muss man, wie bei jedem cloudbasierten Produkt,  bei der hundertprozentigen Datenhoheit machen. Wie dem auch sei, wir dürfen gespannt bleiben, wie dieses Werkzeug den Markt für Line-of-Business Anwendungen, die Zusammenarbeit in vernetzten Unternehmen und die Arbeitsweise von Entwicklern beeinflussen wird.

Robert Otto – Trans4mation

 

Quellen & Links