Edge Computing, Blockchain und verteilte Clouds: Von internationalen Marktforschungsunternehmen wird jedes Jahr ein Blick in die Zukunft gewagt und neu bewertet, welche Technologien und Entwicklungen das kommende Jahr bestimmen werden. Das bekannteste Unternehmen dürfte an dieser Stelle Gartner sein. Wir zeigen Ihnen, welche sieben Tech-Trends Gartner für 2020 identifiziert und prognostiziert hat.

 

Trend #1: Hyperautomation

Bei der Hyperautomation werden fortschrittliche Technologien, wozu nach Gartner u. a. auch Künstliche Intelligenz (KI) zählt, angewandt. Dadurch sollen Prozesse und Tätigkeiten zunehmend automatisiert und der Mensch gestärkt werden. Dies bezieht sich dabei vor allem auch auf die Komplexität der einzelnen Automatisierungsschritte, d. h. erkennen, analysieren, entwerfen, automatisieren, messen, abbilden, überwachen und neu beurteilen. Im Fokus steht dabei auch die Erfassung der Automatisierungsmechanismen, in welcher Beziehung sie zueinanderstehen und wo sie letztendlich kombiniert werden können.



Trend #2: Multiexperience

In den letzten Jahren hat sich das Nutzererlebnis der digitalen Welt bezüglich der Interaktion und Wahrnehmung verändert. Wie Menschen mit der digitalen Welt interagieren, wird durch die sozialen Netzwerke definiert, wohingegen Virtual, Augmented und Mixed Reality die Art, wie Menschen die digitale Welt wahrnehmen, beeinflusst. Bei der Multiexperience findet eine Kombination aus beiden Veränderungen statt. Durch den Einsatz dieser Mehrkanal-Mensch-Maschine-Schnittstellen und immersiver Erlebnisse mittels Sensortechnologien wird auf diese Weise eine multimodale und -sensorische Erfahrung für die Nutzer entstehen.

Virtual und Augmented Reality

Trend #3: Demokratisierung

Hiermit ist vor allem die Demokratisierung von Fachwissen gemeint. Menschen soll zukünftig ein einfacherer Zugang zu technischem oder wirtschaftlichem Fachwissen ermöglicht werden, ohne dass dies umfangreicher oder kostenintensiver Schulungen bedarf. Die Demokratisierung bezieht sich dabei vor allem auf die vier Schlüsselbereiche Anwendungsentwicklung, Daten und Analyse, Design sowie Wissen. Mit dieser Demokratisierung hätten Entwickler bspw. die Möglichkeit, ein Datenmodell zu erstellen, ohne dass sie über die Fähigkeiten oder Kenntnisse eines Data Scientist verfügen müssen. Um Codes zu generieren und Tests zu automatisieren, würden sie stattdessen eine KI-gesteuerte Entwicklung zur Hilfe ziehen.




Trend #4: Human Augmentation

Bei der „menschlichen Erweiterung“ geht es um den Einsatz von Technologien, die zur Verbesserung der kognitiven und physischen Fähigkeiten beitragen sollen. Dies kann bspw. der Einsatz von Wearables, d. h. kleine Computer, die am Körper getragen werden und eine Unterstützungsfunktion im Alltag leisten, sein. Diese können zu einer Erhöhung der Arbeitssicherheit beitragen und finden bereits in der Bergbau- und Automobilindustrie Anwendung. Im Einzelhandel trägt die Nutzung von Wearables zur Steigerung der Arbeitsproduktivität bei. Die Steigerung der Kognitionen verbessert die Fähigkeiten des Menschen, besser zu denken und Entscheidungen zu treffen. Die physische Erweiterung kann dagegen in vier Kategorien eingeteilt werden:


  • Sensorische Erweiterung, d. h. hören, sehen, wahrnehmen
  • Erweiterung der Gliedmaßen, z. B. durch Prothesen
  • Gehirnerweiterung, z. B. Einsatz von Implantaten zur Behandlung von Anfällen
  • Genetische Erweiterung, d. h. Gen- und Zelltherapien



Trend #5: Verteilte Cloud

Das Marktforschungsunternehmen geht davon aus, dass die zentralisierte Cloud schon bald Vergangenheit sein wird. Demnach geht der Trend dahin, dass öffentliche Cloud-Dienste an verschiedene Standorte außerhalb des physischen Rechenzentrums verteilt werden. Die verteilte Cloud wird jedoch weiterhin vom Anbieter gesteuert und dieser ist für alle Aspekte der Cloud-Service-Architektur, der Bereitstellung, des Betriebs sowie für Updates und Entwicklung verantwortlich. Durch eine verteilte Cloud lassen sich Rechenzentren überall lokalisieren und sie löst dabei sowohl technische als regulatorische Herausforderungen wie bspw. Latenzzeiten (Verzögerungs- oder Reaktionszeiten) oder die Datenhoheit.




Trend #6: Praktische Blockchain

Unter Blockchain wird eine sich kontinuierlich erweiterbare, chronologisch geordnete Liste von unwiderruflichen Transaktionsdatensätzen verstanden, die über kryptografische Verfahren miteinander verkettet sind. Nach Gartner bezieht sich die praktische Blockchain auf Enterprise-Blockchains, bei denen nur die für das Unternehmen sinnvollen Aspekte der Technologie implementiert werden, der Konsens dagegen wird über traditionellere private Modelle abgewickelt. Blockchains bieten Unternehmen die Möglichkeit, Vertrauen und Transparenz zu erzeugen und einen Werteaustausch zu realisieren. So können auch Kosten gesenkt und die Zeiten für Transaktionseinigungen reduziert werden. Außerdem können Produkte und Güter zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden. Bspw. lässt sich bei durch Lebensmittel übertragene Krankheiten die Produktionskette bis zum ursprünglichen Lieferanten zurückverfolgen.




Trend #7: Edge Computing

Edge Computing ist eine offene, verteilte IT-Architektur mit einer dezentralen Informationsverarbeitung am Rand eines Netzwerks, d. h. die Daten werden direkt an der Netzwerkperipherie verarbeitet – genau an dem Ort, wo sie auch generiert wurden. Die Bedeutung dieser Technologie wird dabei vor allem aufgrund der zunehmenden Menge an Daten, welche durch das „Internet of Things“ (IoT) erzeugt werden, steigen. Konventionelle Datenzentren stehen aufgrund dieser hohen Datenmengen immer öfter vor der Herausforderung, niedrige Latenzzeiten zu garantieren, was traditionelle Computing-Systeme zukünftig in die Knie zwingen dürfte.



Quelle: Gartner